Nachwachsende Rohstoffe
Das Potential nachwachsender Rohstoffe
Die gesamte Erdoberfläche beträgt 510 Mio. Quadratkilometer. Knapp 150 Mio. km2 sind davon Landfläche. Davon wiederum sind 40 Mio. km2 Waldfläche, 32 Mio. km2 Steppe, Weideland und Grasflächen und 15 Mio. km2 Ackerland (Herbert Gruhl, "Himmelfart ins Nichts"). Der Flächenbedarf für den weltweiten Energiebedarf würde bei alleiniger Deckung durch Rapsöl bei 63 Mio. km2
liegen. Es gibt auch schneller wachsende Rohstoffe, die jedoch nur an wenigen Orten gedeihen. Aufgrund der steigenden Weltbevölkerung dürfte allerdings der Nahrungsmittelbedarf in den nächsten Jahrzehnten massiv steigen. Und Shell prognostiziert bis 2060 einen Bedarf alleine an regenerativen Energien, der fast doppelt so hoch ist, wie heute unser gesamter fossiler Energieverbrauch, wobei laut Shell bis dahin der Gesamtverbrauch an fossilen Energien kaum nennenswert sinken solle.
Nachwachsende Rohstoffe sind heute billiger herzustellen, als Rohöl gehandelt wird. Das Potential ist auch bei alleiniger Verwendung aller Agrarflächen zur Energieproduktion vermutlich nicht ausreichend, um langfristig unsere Energieprobleme zu lösen.
Das ethische Dilemma
Es sei unterstellt, dass es prinzipiell möglich wäre, die Weltbevölkerung noch eine geraume Zeit ausreichend zu ernähren und gleichzeitig einen erheblichen Beitrag zur Energieversorgung durch nachwachsende Rohstoffe zu leisten. Voraussetzung wäre, dass die Weltwirtschaft sich diesen Zielen anpassen würde und für einen guten Ausgleich zwischen den verschiedenen Regionen und Bevölkerungsgruppen sorgen würde. Allerdings hat diese vernünftige Wirtschaftsweise in der Vergangenheit nicht stattgefunden. Statt dessen haben die westlichen Länder beispielsweise Agrarprodukte zu ruinösen Preisen aus Drittweltländern zur Fleischproduktion bezogen. Es ist anzunehmen, dass angesichts des blinden Energiedurstes der Industrieländer diese Vernunft nicht einkehren wird, wenn es um die Nutzung weltweiter landwirtschaftlicher Ressourcen zur Energieproduktion geht. Das haben ja auch die Kriege der letzten Jahre ums Öl in Arabien hinreichend bewiesen.
Wer gerne träumt, kann aber auch überlegen, was herauskäme, wenn mit aggessivem technischem Einsatz die Sahara wiederbegrünt würde und einer landwirtschaflichen Nutzung zur Energieproduktion zugeführt würde. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn bein solchen Mammuntprojekten großer Sachverstand genutzt würde, um ökologische Katastrophen, die solche gigantischen Projekte so gerne mit sich bringen, zu vermeiden (Versalzung der Oberfläche durch Bewässerung; Wassermangel an anderer Stelle; Überschwemmungen; Störung des Gleichgewichts; Beeinflussung des Klimas; etc.). Die vielfach vorausgesagten großen Nöte um mangelndes Trinkwasser werden ja bereits schon heute überwiegend durch die landwirtschaftliche Nutzung des Wassers verursacht. In vielen Regionen sinken die Grundwasserspiegel mit rasanter Geschwindigkeit ab. Nachwachsende Rohstoffe werden den weltweiten Mangel an sauberen Wasser massiv verstärken. Durch Flächen- und Wasserverbrauch des Anbaus nachwachsender Rohstoffe nimmt bereits heute in vielen Regionen die Unterversorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser drastisch zu. Das Preisniveau für Lebensmittel explodiert aktuell regelrecht und führt zu einer Mangelversorgung wirtschaftlich schwächerer Bevölkerungsgruppen. In Mexiko ist der Preis für Maismehl, dem Grundnahrungmittel um das dreifache gestiegen, seit in den USA Mais in enormen Mengen zur "Bio-Ethanol"-Produktion verwendet wird. Die Menge Nahrungsmittel, die erforderlich ist, um den Tank eines Geländewagens zu füllen, reicht aus, um einen erwachsenen Menschen ein Jahr lang zu ernähren. Leider gibt es viele Menschen, die in einem Jahr nicht das Geld haben, um sich diese eine "Tankfüllung" zu leisten (Bericht des UN-Berichterstatters; Heise/tp).
Die marktwirtschaftliche Realität
In der Öffentlichkeit wurden Nachwachsende Rohstoffe in der Vergangenheit als idealistisches Projekt engagierter Weltverbesserer betrachtet. Die wenigsten Menschen haben wahrgenommen, dass nachwachsende Rohstoffe inzwischen auf dem Weltmarkt günstiger als Erdöl gehandelt werden. Glücklicherweise wird inzwischen in den meisten Medien kommuniziert, dass der Hunger in ärmeren Ländern heute messbar eine Folge der Nutzung nachwachsender Rohstoffe zur Energiegewinnung ist.
Unternehmen, die heute in Europa nachwachsende Rohstoffe nachhaltig produzieren, sollten sich in dieser Situation bewusst von anderen Produzenten differenzieren und distanzieren.
Während einige Bauern in Europa bislang in profitabler Weise das auf westlichen Brachflächen angebaute, etwas teurere Pflanzenöl verkaufen konnten, überschwemmt inzwischen eine Welle nachwachsender Rohstoffe den Markt, deren Produzenten sich um ethische Randbedingungen nicht im geringsten kümmern. Es wird für die ökologisch engagierten Unternehmer bald eine große Herausforderung sein, in der Konkurrenz zu billigen Produkten des (dritte-) Weltmarktes ihre Marktposition durch wirtschafliche oder ethische Verkaufsargumente zu behaupten.
Obwohl die Nutzung nachwachsender Rohstoffe als Energiequelle große ethische Probleme mit sich bringt, gibt es jedoch nachwievor viele denkbare Beispiele weltweit für eine ökologisch und ethisch vertretbare Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Die ökologisch und sozial verantwortliche Produktion nachwachsender Rohstoffe sollte mit allen Kräften unterstützt werden.
Unterscheidungskriterien nachwachsender Rohstoffe
Die Unterscheidung nach dem gezielten Anbau:
- Biomasse, die eigens mit dem Ziel der energetischen (oder anderweitigen) Nutzung angepflanzt und geerntet wird.
- Biomasse, die ohne gezielte Anpflanzung entstanden ist und nur gesammelt werden muß (Beispiel: Durchforstungsholz, Stroh) oder Biomasse, die an anderer Stelle als Abfall anfällt (Beispiel: Altfette, Lebensmittelreste, Fäkalien). In diesem Fall sind die negativen ökologischen Auswirkungen sehr gering.
Die Unterscheidung nach der Empfindlichkeit der genutzten Flächen
- Die genutzten Flächen werden durch Rhodung von Urwäldern nutzbar gemacht. Die dünne Erdschicht ist nach kurzer Nutzung aufgebraucht und für eine erneute Bewaldung oder weiter landwirtschaftliche Nutzung unwiederbringlich verloren.
- Die genutzten Flächen befinden sich auf stabilem Boden, der durch die Nutzung nicht in seiner Qualität beeinträchtigt wird.
Die Unterscheidung nach der Eignung für den natürlichen Stoffkreislauf:
- Bei der Nutzung wird die gesamte geerntete Biomasse genutzt und somit dem Stoffkreislauf entzogen. Insbesondere die durch Pflanzenwachstum dem Boden entzogenen Mineralien stehen nach der Nutzung nicht mehr als Dünger zur Verfügung.
- Bei der Produktion des Brennstoffes können die Mineralien zur Nutzung als Dünger zurückgehalten werden.
Die Unterscheidung nach dem prozesstechnischen Aufwand zur Herstellung
- Der pflanzliche Rohstoff wird ohne chemische Umwandlung direkt genutzt (Beispieslweise Pflanzenöl oder Brennholz)
- Der pflanzliche Rohstoff wird durch eine chemische Umwandlung in die Form gebracht, die der technischen Nutzung entspricht. Dieses kann je nach Fall geringere (Beispielweise Biogas) oder erhebliche Mengen an Energie, Rohstoffen oder technichem Aufwand benötigen (Beispielsweise das Fischer-Dropsch-Verfahren zur Holzverflüssigung oder die extrem energieintensive Alkoholdestillation).
Die Unterscheidung nach dem Aggregatzustand des Endproduktes
- Flüssige Brennstoffe werden aufgrund der besten Eignung für mobile Anwendungen in Zukunft einen etwas höheren Marktwert gegenüber anderen Formen haben.
- Gasförmige Brennstoffe können nicht nur zum Heizen verwendet werden, sondern auch in Motoren verbrannt werden. Auch in industriellen Anwendungen oder als Chemisches Vorprodukt hat Methan einen hohen Wert. Allerdings erschwert die schlechte Transportabilität den Einsatz in mobilen Anwendungen. Bestehende Erdgasnetze werden inzwischen teilweise für Biogas geöffnet. In Zeiten fortschreitender Verknappung von Erdgas (in wenigen Jahrzehnten, vielleicht sogar in wenigen Jahren zu erwarten) kann eine solche Öffnung der vorhandenen Infrastruktur den Nutzwert von Biogas erheblich erhöhen. Es gibt allerdings auch andere Gase, die getrennt zu betrachten sind (Beispielsweise Flüssiggas).
- Feste Brennstoffe dürften vorrangig für Heizzwecke genutzt werden. In Zukunft dürfte für feste Brennstoffe aufgrund der eingeschränkten Eignung ein etwas geringerer Marktwert erzielt werden. Dafür kommen Sie in der Regel ohne chemische Umwandlung aus und prinzipiell kommen fast alle Pflanzen spätestens nach einer Trocknung für eine direkte thermische Nutzung in Frage. Auch Reststoffe wie der Presskuchen der Pflanzenölproduktion kann in der Regel noch thermisch genutzt werden. Stroh und Holz beispielsweise kann bei direkter Verbrennung wesentlich effizienter genutzt werden, als bei vorangegangener Verflüssigung.
Pflanzenöl
Kurz- bis mittelfristig könnte Pflanzenöl vielleicht neben fossilen Rohstoffen der wichtigste Energielieferant werden. Diese Einschätzung hat den einfachen Grund, daß Pflanzenöl sehr billig in der Herstellung ist und kaum Investitionen zu seiner Herstellung erfordert, also sehr schnell eingeführt werden kann. Der heutige Weltmarktpreis liegt bei rund 35 Ct/Liter. Europäisches Rapsöl ist preislich nicht direkt konkurrenzfähig und erfordert einen gewissen Protektionismus, um nicht durch Palmöl aus Urwaldplantagen unterboten zu werden. Prinzipiell muß der Anbau von Pflanzenöl nicht mit dem Anbau von Nahrung kollidieren. Früchte wie die Purgiernuss, aus der Pflanzenöl gewonnen werden kann, gedeihen auch da, wo sonst Nahrungsmittelanbau unmöglich ist. Inwieweit nachhaltig produzierte Öle einen signifikanten Deckungsbeitrag liefern können, kann ich nicht abschätzen.
Bei der Pflanzenölproduktion steht in der Regel nur ein begrenzter Teil der geernteten Pflanzen als Öl zur Verfügung (beispielsweise 20-30%). Der Rest der Pflanze kann in der Regel anderweitig genutzt werden. Im Falle von Raps steht der sogenannte Presskuchen als hochwertiges Viehfutter zur Verfügung, sofern das Öl lediglich in einer Ölmühle gepresst wurde, und sofern nicht, wie in Großproduktionsanlagen üblich, anschließend mit chemischen Lösungsmitteln der letzte Rest von Öl aus dem verbleibenden Presskuchen ausgewaschen wurde. In anderen Fällen ist eine direkte thermische Nutzung denkbar, ein Cracken der Reststoffe oder die Herstellung von Biogas.
"Gutes Pflanzenöl"
"Gutes Pflanzenöl" wird nachhaltig angebaut, bevorzugt auf Flächen, die für die Nahrungsmittelproduktion sonst nicht geeignet sind. Eventuell wird das Pflanzenöl auch im Mischfruchtanbau zusammen mit anderen Früchten angebaut, die der Nahrung dienen. Die Bauern werden für den Anbau nicht enteignet, sondern können für faire Löhne auf Ihrem Land arbeiten. Das Öl wird von den Landwirten selber gepresst und ein Restölanteil von ca. 10% verbleibt in der Pflanze und wird nicht mit Lösungsmitteln ausgewaschen. Die restliche Pflanze dient als hochwertiges Tiernahrungsmittel.
Ein Beispiel ist der Anbau von Leindotter gemeinsam mit Gerste mit anschließender physikalischer Trennung weitgehend ohne Chemieeinsatz (Professor Schrimpff, Weihenstephan). Ein weiteres Beispiel ist die giftige Purgiernuss, die sogar die Sahelzone zurückdrängen helfen könnte oder durch Daimler Crysler in Indien auf unfruchtbaren Böden gedeihen soll (Die Zeit 31.12.04 Nr.1; http://www.zeit.de/2005/01/N-Jatropha). Leider benötigt die Purgiernuss zu ihrer Ernte einen enormen Arbeitsaufwand.
"schädliches Pflanzenöl"
"Schädliches Pflanzenöl" wird auf enteignetem Land von Großgrundbesitzern mit dem Einsatz von Chemie und Gentechnik angebaut, auf zuvor gerodeten Urwaldflächen, in Ländern, in denen Hunger herrscht, Chemisch gereinigt und trotz der Rückstände als Viehfutter verwendet, von Großkonzernen gehandelt, etc.
Nun dürfen wir raten, welches Prinzip sich in Zukunft bewähren wird. Ich habe bereits eine Aussage eines Betreibers einer Biodieselraffinerie vernommen, wonach Pflanzenöl aus der dritten Welt deutlich günstiger verfügbar sei, als europäisches Pflanzenöl. Die Preise von Pflanzenöl aus Ländern der dritten Welt bzw. Schwellenländern lägen nicht mehr deutlich über dem heutigen Preis für Rohöl. Diese Aussage veranlasst mich zu der Vermutung, daß dem schädlichen Pflanzenöl in Zeiten der Energienot eine glänzende Karriere bevorsteht. Aus diesem Grunde sollten alle, die die Produktion von "Gutem Pflanzenöl" betreiben unsere Unterstützung erfahren. Aber eine Volkswirtschaft, die großen Energiedurst leidet, wird vermutlich, wenn sie nicht einmal in der Lage ist, einfachste Maßnahmen zur Energieeinsparung zu treffen, kaum bereit sein, einen Mehrpreis für "Gutes Pflanzenöl" zu zahlen. Es ist also nicht unwahrscheinlich, daß Pflanzenöl zu den wichtigsten Energiequellen der Zukunft gehört. Dies bedeutet leider nicht, daß dadurch unsere Energieprobleme im Einklang mit Mensch und Natur gelöst werden (besonders in der dritten Welt).
Biodiesel
Biodiesel wird aus Pflanzenöl gewonnen, indem rund 15% Methanol zugegeben wird und durch Umesterung die je drei Fettsäuren, die an ein Glyzerin (dreiwertiger Alkohol) gebunden sind, von diesem gelöst werden und an je ein Methanol (einwertiger Alkohol) gebunden werden. Der gewonnene Treibstoff ist vor allem bei tiefen Temperaturen dünnflüssiger, als reines Pflanzenöl und hat im Vergleich zu Pflanzenöl eher eine konstante Qualität. Vor allem kann Biodiesel weitgehend ohne technische Anpassungsmaßnahmen in herkömmlichen Dieselmotoren verbrannt werden. Planzenöl kann erst nach technischen Modifikationen in Dieselmotoren verbrannt werden. Diese Modifikationen stellen heute entgegen den Aussagen der Fahrzeughersteller kein Problem mehr dar und werden von mittelständischen Unternehmen für wenige tausend Euro in Handarbeit vorgenommen. Sie dienen in erster Linie der Vorwärmung des Öls, insbesondere Im Winter.
Die Gesamtbilanz von Biodiesel ist auf jeden Fall etwas ungünstiger, als die Bilanz von reinem Pflanzenöl, denn die Umesterung erfordert zumindestens die Bereitstellung von 15% Methanol. Manche Methoden zur Umesterung erfordern zudem zur Umesterung zusätzlich erforderliche Prozessenergie in signifikanter Höhe. Allerdings erfordert die Umstellung auf Pflanzenöl eine Anpassung der Elektronik, um die Schadstoffemissionen zu unterschreiten. Diese Anpassung wurde bislang für keinen PKW durchgeführt, so dass kein aktueller PKW mit Pflanzenöl die Grenzwerte unterschreitet.
Verfahren zur Nutzung der gesamten Pflanze und teilweise zur Nutzung beliebiger Pflanzen
Ich sage es an dieser Stelle so lapidar hin, ohne zu wissen, welches Verfahren sich am Ende durchsetzen wird und welche Probleme dabei bestehen werden:
Es wird am Ende kein ernsthaftes Problem darstellen, jegliche Art von Pflanzen einer energetischen Nutzung zu unterziehen!
An dieser Stelle sei folgende, oben bereits angedeutete Gedankenkette ausgeführt:
- Pflanzenöl ist bereits heute auf dem Weltmarkt billiger, als Erdöl.
- Es werden noch Verfahren kommen, die die gesamte Pflanze nutzen
- Die Preise für pflanzliche Brennstoffe werden dann konkurrenzlos günstig sein. Daher werden Großkonzerne weltweit in großplantagen und Handel mit "Bio-Energien" einsteigen
- Die Ackerflächen der Erde werden dabei den Ersatz der fossilen Energien in großen Bereichen durchaus ermöglichen. Aber der Preis dafür werden Großkulturen, Sklaverei und vermutlich auch Hunger in den ärmeren Ländern sein. Dichtbesiedelte Länder wie Deutschland oder Japan werden wohl an eine Selbstversorgung nicht herankommen, es sei denn, sie nutzen die vorhandenen Energieeinsparpotentiale.
Direkte Brennstofferzeugung aus Biomasse
Die einzig problematische, sprich je nach Pflanze mehr oder weinger energiebedürftige Maßnahme, ist die Trocknung. Danach kann man jede Pflanze in Pellets umwandeln, welche in Kraftwerken und Haushalten verbrannt werden können. Kraftwerke und Heizungsanlagen zusammen machen vermutlich gut 50% des gesamten weltweiten Energieverbrauchs aus.
Pyrolyse und andere Crack-Verfahren
Es gibt derzeit mehrere Versuche, jegliche organische Substanz durch Verfahren wie beispielsweise die Pyrolyse zu cracken, bis ein Gemisch aus festen, flüssigen und gasförmigen Kohlenwasserstoffen entsteht. Dieses gemisch könnte in nächsten Schritt raffiniert werden, wie es mit Erdöl auch geschieht. Sollte ein solches Verfahren eine Ausbeute von mehr als 33% der in den Ausgangsstoffen enthaltenen Energie in Form von nutzbaren Brennstoffen liefern, dürfte es neben dem Pflanzenöl oder vieleicht auch vor dem Pflanzenöl eine sehr große Bedeutung erlangen. Es ist mir aber bislang kein Verfahren bekannt, von welchem mir ein Nachweis der Funktionstüchtigkeit in ausreichend abgesicherter Form vorliegt.
Die Crack-Verfahren würden sich potentiell eignen, organische Abfälle umzuwandeln und könnte somit Energie ohne eigenen Anbau von Energiepflanzen ermöglichen. Ferner würden sich Crackverfahren eignen, auch die Reste der Ölpflanzen, den sogenannten Presskuchen in Brennstoffe umzuwandeln. Somit könnte der Flächennutzungsgrad der landwirtschaftlichen Flächen vervielfacht werden. In wieweit Mineralstoffe wiedergewonnen werden, ist mir nicht bekannt.
"Bio-Wasserstoff"
Im Allgemeinen wird die solare Wasserstoffgewinnung mit der Elektrolyse assoziiert, bei der solarer, wertvoller Strom zur Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff verwendet wird. Dieses Verfahren dürfte bei dem heute bekannten Stand der Technik sehr uneffizient sein im Vergleich zu anderen regenerativen Energien.
Im Gegensatz zu Elektrolyse-Wasserstoff wird der "Bio-Wasserstoff, laut einem Herrn Tetzlaff (www.bio-wasserstoff.de) bei der Vergasung jeglicher Biomasse gewonnen bei einem angeblich hohen Wirkungsgrad gewonnen wird. Angeblich werden auch alle Mineralien, außer Stickstoff in gut verwertbarer Form zurückbehalten. Herr Tetzlaff baut auf seiner Homepage ein interessantes Bild einer Wasserstoffwirtschaft, in der die heutigen Hochspannungsnetze keine Rolle mehr spielen, in der der Wasserstoff durch das heutige Gasnetz zu den Endverbrauchern gelangt und in dem Pufferspeicher im Prinzip nicht mehr erforderlich sind, weil sich Haushalte mit Brennstoffzellen den Strom herstellen, den sie gerade benötigen, und die Abwärme des Systems zum Heizen verwenden. Die Seite vermittelt neben vielen interessanten Gedanken leider auch manchmal den Eindruck, Dinge schönzurechnen. Ganz so leicht wird die Biomasse den Welt-Energie-Bedarf nicht decken können. Es könnte wiegesagt knapp gelingen, aber vermutlich zu einem hohen ökologischen und sozialen Preis. Ich kann selber nicht beurtelien, wie realistisch die Szenarien sind. Aber wenn Herr Tetzlaff recht haben sollte, dann würden manche Bemühungen der Großindustrie bezüglich des Wasserstoffs leichter verständlich. Ein bislang kaum beachtetes Problem sollte jedoch stärker beachtet werden: Wasserstoff entweicht bei nicht absolut optimaler Technik oder bei Wartungsfehlern in großem Maße und wird nie wieder zum Erdboden zurückkehren, weil er langsam aber sicher nach oben zu den höchsten Sphären der Luftschicht und dem Weltraum streben wird. Die klimatischen Auswirkungen sind mir nicht bekannt.
Biogas
Biogas wird aus den Ausscheidungen aus der Tierhaltung gewonnen oder aus anderer organischer Substanz. Idealer Weise enthält die Substanz viel Cellulose (Grünpflanzen) und wenig Lignin (in Holz und Stroh enthalten). Die Mineralien können zurückbehalten werden und stehen anschließend als hochwertiger Dünger wieder zur Verfügung. Auf diesem Wege könnten auch die aktuellen Gülle-Entsorgungsprobleme der intensiv-Landwirtschaft gelindert werden. In jedem Fall wird der Nährstoff-Kreislauf nicht unterbrochen und die Nutzung der Biomasse belastet die Umwelt in relativ geringem Maße.
Die technologie ist relativ einfach zu beherrschen und kann auch in Entwicklungsländern weitgehend ohne äußere Hilfe angewendet werden. Die Investititon in eine Biogasanlage wird vielfach von Landwirten getätigt, die mit dem gewonnenen Gas über ein Block-Heizkraftwerk Wärme und Strom produzieren, der dank der deutschen Einspeiseverordnung gewinnbringend an die Stromversorger verkauft wird. Biogas ist in seiner Nutzbarkeit fast identisch mit Erdgas.
Biogas hat also ein sehr positives ökologisches Potential und verdient es, beachtet und gefördert zu werden. Die technische Reife ist hundertfach unter Beweis gestellt.
Fischer Dropsch Verfahren (Firma Choren)
Die Firma Choren erarbeitet in Zusammenarbeit mit VW und Shell ein Verfahren, welches ebenfalls das Ziel verfolgte, eine breite Menge organischer Substanz zu verflüssigen oder in andere organische Stoffe umzuwandeln. Allerdings ist der gewählte Weg über Synthesegas und anschließende Synthetisierung eines Designerkraftstoffes sehr aufwendig und Energieintensiv und erfordert hohe Qualität (Trockenheit) der verwendeten Ausgansstoffe. Ein Schwerpunkt liegt auf Holz, welches bei direkter Verbrennung in stationären Anlagen mit Sicherheit eine bessere Energieausbeute liefern könnte.
Bioalkohol (Methanol, Ethanol)
Bestimmte Pflanzen eignen sich traditionell zur Vergärung zu Bioalkohol. So fahren in Brasilien seit mehreren Jahrzehnten ein Großteil der Fahrzeuge mit dem giftigen Methanol (Spiritus), der aus Zuckerrohr hergestellt wird. Die Methanolproduktion in Brasilien ging vielfach mit Landraub, Urwaldrodung und Niedriglohnarbeit einher, wie es auch mit Exportprodukten immer geschah. Methanol ist übrigens auch der Treibstoff, mit dem das "Wasserstoffauto" "Necar" von Mercedes angetrieben wird.
in Jüngerer Zeit häuften sich auch Berichte über Verfahren, denenzufolge aus Holz, Kartoffeln oder anderen Stoffen Ethanol (der Alkohol in trinkbaren Spirituosen) zu Antriebszwecken hergestellt werden könne. Bezeichnenderweise ist aktuell die Alkohol-Produktion aus Weizen im Gespräch. Weizen ist weltweit das bedeutendste Grundnahrungsmittel. Drastischer kann die mögliche Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion nicht dargestellt werden. Die Realität der weltweiten Überproduktionen kann nur wenig trösten, weil die gleichzeitig bestehende Ungleichverteilung nicht nachlassen wird, weil wir Weizen nun für unseren Energiehunger auch noch misbrauchen.
Ferner wird für die nächsten Jahrzehnte eine drastische Zunahme des Nahrungsmittelbedarfs prognostiziert. Die bisherige landwirtschaftliche Produktivität ist zudem von der Energiezufuhr aus fossilen Quellen ahbähgig (Düngung, Pflanzenschutz, Maschinenpark).
Bezeichnender Weise sollen Autos mit dem Stoff betrieben werden, der Millionen Alkoholikern das Leben für einen Moment erträglich erscheinen lässt, in dem er den Sinn für die Realität vernebelt. Aber ich will nicht ins Grundsätzliche abgleiten. Wenn der Weizen in Europa nach biologischen Richtlinien hergestellt wird, könnte er einen positiven Beitrag leisten - einen Tropfen auf den heißen Stein.
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