Wasserstoff & co.
Wasserstoff
Kaum eine Energieform wurde in den vergangenen Jahren in gleichem Maße mit öffentlich geförterten High-Tech-Studien fortentwickelt, wie der Wasserstoff. Dabei scheint allen verantwortlichen entgangen zu sein, daß Wasserstoff keine Energiequelle ist, sondern nur ein Energieträger. Angesichts der Tatsache, daß es in Zukunft ohnehin eine gewisse Menge flüssiger regenerativer Energien geben wird, ist es verwunderlich, daß ausgerechnet für das Auto, bei dem die Anwendung von Wasserstoff am komplexesten ist und die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems kaum über den Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren hinauskommt, mit solcher Begeisterung verfolgt wurde.
Aber nun der Reihe nach:
- Ausgangsenergie für Wasserstoffproduktion ist in der Regel elektrische Energie (daß heutzutage Wasserstoff aus Erdgas gewonnen wird, wobei der Kohlenstoff unnütz verbrannt wird sei nur am Rande erwähnt - Dies scheint trotz Solarstrom-Boom wirtschaftlicher zu sein, als regenerative Wasserstofferzeugung). Elektrische Energie ist bezogen auf Stromproduktion aus fossilen Brennstoffen dreimal soviel wert, wie die in Brennstoffen enthaltene Energie. Auch im Vergleich zu solarer Wärme (Warmwasser aus Sonnenkollektoren) ist der wirtschaftliche Wert von Strom um ein vielfaches höher bzw. die Produktion entsprechend teurer, als die gleiche Menge an solarer Wäremeenergie.
- Bei der Verflüssigung von Wasserstoff gehen noch einmal 40% der im Wasserstoff enthaltenen Energie verloren, oder müssen von außen hinzugefügt werden.
- Beim Transport und der Lagerung von Wasserstoff sind erhebliche Verluste die Regel. Verlust entsteht durch Diffusion der extrem kleinen Moleküle auch durch Stahlwände auf und durch kleinste Leckagen. Bei Längerer Lagerung entsteht Verlust durch Erwärmung. Entwichener Wasserstoff geht der Biosphäre unwiederbringlich verloren, weil er mit seinem geringen Gewicht durch die Atmosphäre nach oben entweicht bis in Sphären, in denen aufgrund der geringen Dichte keine Verbrennungsreaktionen mehr statt finden. Vereinzelt ist zu lesen, dass Wasserstoff mit seinem niedrigen Molekulargewicht sogar dem Schwerkraftfeld der Erde entweichen könne und somit unwiederbringlich verloren gehen würde. Im Zusammenhang mit der Wasserstoffproduktion durch genmanipulierte Mikroben wird folgendes Horrorszenario beschrieben: Die entweichenden Mikroben wandeln kontinuierlich Wasser in Wasserstoff um und dehydrieren die Erde im Lauf von Jahrtausenden. Ich kann nicht überprüfen, wie unrealistisch solche Szenarien sind. Ich halte es in der aktuellen Wasserstoff-Hype jedoch für erforderlich, bislang unbeantwortete Fragestellungen zur Diskussion zu bringen.
- Wird Wasserstoff in einem Verbrennungsmotor verbrannt, hat er noch zusätzlich die selben enormen Wirkungsgradverluste, wie bei Benzinverbrennung (70 - 80 % gehen verloren). In Kombination mit den anderen Verlusten ist dann nicht nur die Wirtschaftlichkeit beim besten Willen nicht mehr gegeben, sondern auch die ökologischen Vorteile sind kaum erkennbar.
- Bei Verbrennung in einer Brennstoffzelle ist zwar deren Wirkungsgrad deutlich höher. Aber der gewonnene Strom muß danach noch durch einen Elektromotor und teilweise auch noch in einen Batteriezwischenspeicher. Der Gesamtwirkungsgrad ist ebenfalls nicht mehr sehr attraktiv, vor Allem wenn man bedenkt, wieviel Energie bei direkter Verwendung des Solarstromes im Netz eingespart werden könnte. Erschwerend kommt noch dazu, daß Brennstoffzellen bei Entnahme großer Leistungen im Wirkungsgrad deutlich abfallen, genau dann, wenn der Wirkungsgrad eines Elektromotors steigt.
- Sowohl die Speichertechnologien für flüssigen Wasserstoff, als auch die Technologien der Brennstoffzelle sind unerschwinglich teuer. Vor Allem die Brennstoffzellen benötigen derzeit Platin in solchen unmengen, daß alleine die Platinproduktion jeden denkbaren ökologischen Vorteil dahinrafft. Platin hat mit den größten ökologischen Rucksack.
Fazit:
Wenn Wasserstoff in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen sollte, dann muss eine oder mehrere Technologien hinzukommen, von denen heute noch nicht allzuviel bekannt ist. Das was an Technologie allgemein bekannt und zugänglich ist, macht einen breiten Einsatz der Wasserstofftechnologie sehr unwahrscheinlich.
Der Traum von endlos verfügbarer Energie
Selbst Wasserstoff wird von manchen als unbegrenzt verfügbar betrachtet und nicht vergegenwärtigt, dass Wasserstoff ein Energieträger und keine Energiequelle ist.
Freie Energie
Ganz im Gegensatz zu Wasserstoff wurde der breiten Weltöffentlichkeit noch kein funktionierendes Beispiel für die Anwendung so genannter "Freier Energie" präsentiert und in der Funktionsweise erklärt. "Freie Energie" wird von ihren Befürwortern erklärt als Methode, Energie, die mit unseren allgemeinen physikalischen Methoden nicht ohne weiteres wahrnehmbar ist, aus dem Kosmos einzufangen und nutzbar zu machen. Ohne den Energieerhaltungssatz außer Kraft zu setzen, käme die Bedeutung für uns einem Perpetuum Mobile gleich. Das Erdölzeithalter käme uns in diesem Falle bald aus der Rückschau vor, wie uns heute die Steinzeit mit rückblickend unvorstellbaren Eingrenzungen unserer Möglichkeiten. Ich weiß bei weitem zu wenig, um "Freie Energie" für ein wahrscheinliches Phänomen zu halten, oder um es für unmöglich zu erklären. Gleichwohl die Frage, ob es "freie Energie" gibt, gravierende Auswirkungen auf unser Leben auf diesem Planeten hätte, habe ich mich mit dem Phänomen noch nicht aktiv auseinandergesetzt. Ich persönlich habe kein Interesse daran, dass es so etwas wie ein Perpetuum Mobile nutzbar wird. Das hat den einfachen Grund, dass die Erfindung eines Perpetuum Mobiles eine rapide Ausbeutung aller anderen Ressourcen zur Folge hätte. Gäbe es dann noch einen Grund, dass Autos keine 5 Tonnen mehr wiegen sollten und weniger als 2000 PS haben sollten? Ich glaube, dass die Welt trotz allem lebenswerter bliebe, wenn wir durch die bevorstehende Energiekrise den maßvollen Einsatz von Energie lernen würden. Die Erde schenkt uns alles, was wir zum Leben brauchen. Sollte "freie Energie" irgendwann zur Realität gehören, würde ich mich damit gerne auseinander setzen. Aber vorerst interessiert mich vorrangig, wie wir mit den uns bekannten Ressourcen unser Leben so lebenswert wie möglich gestalten.
Energie wie Sand am Meer
Vielleicht kommt irgendwann noch jemand auf die Idee, bildlich gesprochen, wie man Sand verbrennen kann. Vielleicht halten gewisse Mächte auch das Wissen um die ein oder andere Energieform bewusst zurück. Ich will damit nur sagen: Es muss das, was wir heute sehen können, nicht das Ende aller Möglichkeiten bedeuten. Aber noch eimal: Wenn wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht kriegen und permanent davon träumen, was wäre, wenn es Energie ohne Grenzen für uns verfügbar gäbe - Wenn wir trotz erkennbarer massiver Probleme lieber Kriege führen, als die aller naheliegendsten Maßnahmen zu treffen, nämlich maßvoll mit Energie umzugehen - und wenn dann die Realisierung unausgereifter Träume unbegrenzter Energie ausbleibt, oder nur zu spät in Erfüllung geht, oder vielleicht sogar wenn sie recht bald in Erfüllung geht, dann gestaltet sich das Leben auf der Erde sich in der Folge nicht unbedingt angenehmer.
Anders herum betrachtet: Wenn man weiß, wie viel man mit ganz wenig Energie bewegen kann, dann interessiert einen die Energie weniger, als die Möglichkeiten, die sie uns bietet. Denken Sie doch nur einfach einmal daran, wie spielend leicht im Vergleich zum tonnenschweren Auto ein Fahrradfahrer sich von einem Ort zum anderen bewegt. Mag sein, dass es etwas langsamer vor sich geht. Aber wer hat uns die Zeit genommen? Wieso müssen wir plötzlich auf der ganzen Welt gleichzeitig präsent sein und von einem Kontinent zm anderen "jetten"? Wir landen doch wieder in einem Hotel für Europäer und lernen die einheimischen nur als Diener kennen. Sind wir reicher, wenn wir Waren mit billiger Energie dreimal um die Erde transportieren können, um das Lohngefälle für unseren Konsum zu nutzen. Am Ende können wir nichts mehr produzieren, weil wir selber zu teuer geworden sind, und können nur noch den Konsum und unsere Zukunftsängste "managen" - als Abhängige von Energie und Billigarbeitern.
Ich will aber die Augen vor Realitäten nicht verschließen. Wenn ich belastbare Kenntnis von einer reichhaltigen Energiequelle hätte, dann würde ich hier darüber schreiben.
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