Energiequellen und Prognosen

Die Größen sind einem Diagramm von Shell aus dem Spiegel vom 27.09.2004 auf Seite 198 entnommen.
Fossile Energien
Ein Diagramm mit der gleichen Aussage, wie oben abgebildet, wurde im Spiegel von Shell ohne jegliche Erklärung im Text veröffentlicht. Es enthält mehrere sehr interessante Aussagen, die in ihrer Grundqualität von vielen Experten gestützt werden. Auch wenn dieses Diagramm in manchen "Details" vielleicht nicht sehr realistisch ist, beziehe ich mich im Folgenden darauf:
Erdöl
Die Erdölförderung ist laut www.energiekrise.de seit dem Jahr 2005 rückläufig. Das obige Diagramm zeigt sogar einen Rückgang seit dem Jahr 2000. Diese Aussage ist für das Haus Shell relativ neu, weil alle bisherigen Meldungen der Erdölkonzerne für die weitere Zukunft von einer Stagnation auf hohem Niveau sprachen. Organisationen wie beispielsweise das Ludwig-Bölkow-Institut (LBST) hingegen prognostizierten schon lange einen weltweiten Rückgang der Erdölförderung ab einem Zeitpunkt zwischen 2000 und 2010, also fast noch später, als Shell. Allerdings fällt dieser Rückgang, wie ihn das LBST prognostiziert, dann deutlich steiler aus, als in dem oben gezeigten Diagramm. Der Grund für den Rückgang liegt in den Technischen Möglichkeiten der Ölförderung und den geologischen Gegebenheiten. Es ist eine seit langem bekannte Tatsache, daß sowohl bei einem Ölfeld oder bei einer Ölförderregion die Fördermengen solange gesteigert werden können, bis etwa etwa die Hälfte des gesamten vorhandenen Erdös verbraucht wurde. Danach sinkt die Fördermenge bis zur restlosen Erschöpfung kontinuierlich. Diese Phänomen konnte bereits in den USA in den 70er Jahren beobachtet werden, welche damals große Erdölexporteure waren. Die USA können heute nur noch einen Bruchteil des damals geförderten Erdöls produzieren und sind nun der weltgrößte Ölimporteur. Nachdem inzwischen auch die arabischsen Staaten in die Nähe des Fördermaximums kommen, befindet sich die gesamte Welt an dem Punkt, an dem die Fördermenge kontinuierlich abnimmt.
Erdgas
Erdgas steht uns noch etwas länger in größeren Mengen zur Verfügung als Erdöl.In dem Diagramm von Shell wird es gar nicht als eigene Kurve aufgeführt, sondern mit der Kohle gemeinsam als "restliche fossile Rohstoffe" dargestell. Bekanntermaßen (www.energiekrise.de) ist jedoch die Reichweite von Kohle um ein vielfaches höher, als diejenige von Erdgas (dies ist auch der Hintergrund der plötzlich so selbstbewusst werbenden Interessenverbände deutscher Steinkohle). Laut LBST (www.energiekrise.de) werden Erdöl und Erdgas zusammen in rund 10 Jahren gemeinsam das Fördermaximum erreichen. Danach kann nur die Kohle noch zu einer "gleichbleibenden" Energieversorgung beitragen.
Kohle
Die Kohle steht im Vergleich zu Erdöl und Erdgas in sehr großen Mengen zur Verfügung. Die Statischen Reserven reichen bei theoretisch konstantem Verbrauch noch für weit über hundert Jahre aus. Es steht zu vermuten, dass aufgrund der schwindenden Ressourcen an Öl und Gas die Föderung und Verbrennung von Kohle in den nächsten Jahrzehnten eher ausgeweitet wird. Leider ist jedoch die Kohle ausgerechnet der fossile Brennstoff mit dem höhsten Gehalt an Kohlenstoff. Daher entsteht bei seiner Verbrennung besonders viel klimaschädliches Kohlendioxyd, welches aber nicht nur das Klima schädigt, sondern auch die Atmung des Menschen beeinträchtigt, genauer gesagt die Versorgung des Blutes mit Sauerstoff. Ob allerdings Gaskraftwerke angesichts des bald zu erwartenden Mangels an Erdgas die Rettung aus dem Dilemma sind, mag bezweifelt werden. Um unabhängig von Kohle zu werden, muss in Erster Linie der Stromverbrauch gesenkt werden, weil dies mit dem geringsten Investitions-Aufwand große CO2-Einsparungen bewirken kann, und in zweiter Linie in Solarkraftwerke investiert werden.
Kernkraft
Der Kernkraft wird in obigem Diagramm von Shell eine geringfügig verstärkte Bedeutung prognostiziert, wobei sie weiterhin in der Gesamtbilanz nur einen marginalen Anteil übernimmt. Dabei ist vielleicht von Interesse, daß bei einmaliger Verwendung ohne wiederaufbereitung die statische Reichweite (also bei theoretisch gleichbleibendem Verbrauch) rund vierzig Jahre beträgt. Durch Wiederaufbereitung könnte die Reichweite erheblich vergrößert werden, aber dennoch könnte Kernkraft mit konventionellen Reaktoren keinen wirklich spürbaren Beitrag zur Gesamtversorgung leisten, der nur annähernd die Bedeutung eines der großen fossilen Energieträger erreichen würde. Nur bei Verwendung von Brütertechnologie, die weltweit noch kein einziges mal in großem Maßstab erfolgreich eingesetzt wurde, könnte die Kernkraft bei vorhandenen Ressourcen an Uran einen echten Beitrag zur Energieversorgung leisten. Die Frage nach den Gefahren durch Radioaktivität will ich hier nicht diskutieren. Anzunehmen ist, daß die gemachte Prognose in diesem Diagramm von Shell vermutlich die Möglichkeiten der Wiederaufbereitung bereits mit einschließt.
Aktuell sind die Produktionskosten (Reine Betriebskosten) für Kernkraftstrom extrem niedrig (rund 2 ct/kWh). Dies liegt daran, dass der enorme Invest (der den Vergleich mit Windkraft nicht zu scheuen braucht) mit staatlicher Hilfe aufgebracht wurde (und immer noch aufgebracht wird) und dass sowohl die Entsorgungskosten, als auch das hohe Risiko nicht von den Elektrizitätskonzernen aufgebracht werden müssen. Die Abrisskosten für ein Kraftwerk liegen zudem wegen der komplexen Entsorgung um ein vielfaches höher, als die Herstellungskosten. Weltweit wurde bislang ein einziges Kernkraftwerk stillgelegt.
Wenn Sie sich einen Taxifahrer vorstellen, der für 20.000 Euro ein Taxi vor 20 Jahren gekauft hat, welches inzwischen die Sicherheitsnormen nicht mehr erfüllt und wenn Sie sich vorstellen, dass der Taxifahrer in dem Moment, wo er sein Taxi verschrotten will, 80.000 Euro zahlen muss und wenn Sie sich weiterhin vorstellen, dass das Taxi in der gegenwart so eine Art legale Gelddruckmaschine ist - dann können Sie sich auch vorstellen, dass sich dieser hypothetische Taxifahrer einiges einfallen lässt, um es noch lange durch den TÜV zu schleusen. Das ist, bildlich gesprochen, die Lage der Kernkraft in der Gegenwart. Nur ist leider das Risiko größer, als bei einem klapprigen Taxi, wie jüngst (25.07.2006; www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23437/1.html) erst wieder der Störfall in Forsmark in Schweden gezeigt hat, bei dem Europa nahe an einer Katastrophe vorbeigeschlittert ist, die mit Tschernobyl vergleichbar gewesen wäre.
Erneuerbare Energien
Völlig unbeeindruckt von der Verknappung fossiler Rohstoffe hingegen wird ein exponentiell steigender Gesamt-Energie-Verbrauch prognostiziert, der im Jahre 2060 nahezu das dreifache dessen beträgt, was heute durch fossile Energien abgedeckt wird. Wenn man die rasante Entwicklung von Indien und China zur Industrialisierung betrachtet, mag man diese Prognose ungeachtet der Versorgungslage auch für nicht unwahrscheinlich halten. Die entstehende Kluft zwischen vorhandenen Energien und prognostiziertem Bedarf jedoch wird in diesem Diagramm ganz lapidar durch den Einsatz von erneuerbaren Energien aufgefüllt. Die im Jahre 2060 prognostizierte Menge an produzierten erneuerbaren Energien beträgt dabei fast das doppelte dessen, was heute durch alle fossilen Energien abgedeckt wird.
Fazit
Mit anderen Worten würden wir im Jahr 2060 den gleichen Wahnsinn mit fossilen Energien betreiben, wie wir ihn heute bereits betreiben und zusätzlich die doppelte Menge an regenerativen Energien verbrauchen.
Ungeachtet der Tatsache, daß natürlich die Sonne ein vielfaches der Energie liefert, die wir selbst für unseren grenzenlosen Energiedurst benötigen würden, ist jegliche Nutzung dieser Energie mit Eingriffen in die Umwelt und mit weiterem Ressourcenverbrauch verbunden. Welche konkreten Auswirkungen zu erwarten sind, das ist Gegenstand der folgenden Seiten über alternative Energien. Es sei aber vorweggenommen, daß das in diesem Diagramm skizzierte Szenario einer ökologischen Katastrophe gleichkäme und daß die Unabhängigkeit von fossilen Energien durch Verwendung von regenerativen Energien nicht möglich ist, wenn wir nicht massiv den Energieverbrauch reduzieren.
Die zweite und erfreuliche Botschaft dieser Homepage auf den Seiten über Eingesparte Energie ist die, daß es wesentlich leichter, schneller und kostengünstiger ist, Energie einzusparen, als die selbe Menge an Energie regenerativ herzustellen. Auf der Grundlage einer Volkswirtschaft, die nur noch einen Bruchteil der Energie pro Kopf benötigt, ist der Ersatz der dann verbrauchten Energie durch regenerative Energien relativ einfach möglich, da auch ein größerer Betrag im Verhältnis zur verbrauchten Energiemenge aufgewendet werden kann, da bei weniger Energieverbrauch auch die Gesamtkosten für Energie sinken.
Es wird an dieser Stelle immer wieder eingewandt, man dürfe gerade jetzt von der erfreulichen Entwicklung regenerativer Energien nicht ablassen. Das ist richtig und es gibt keine notwendige Konkurrenz zwischen Energiesparen und regenerativer Energie. Nur gibt es leider momentan ein Ungleichgewicht in der Gewichtung zu Ungunsten von Maßnahmen zur Energieeinsparung. Wenn wir in unserer Vokswirtschaft nicht die Flexibilität aufbringen, offenliegende Potentiale zur Einsparung großer Mengen von Energie zu nutzen, dann kann uns auch die alleinige intensive Hinwendung zu erneuerbaren Enrgien nicht vor den Problemen der Zukunft befreien. Somit will diese Homepage die Bedeutung der Eingesparten Energie, die leider keine Lobby hat, ins Bewusstsein rücken.
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